Transformation par le Réemploi - des Reiseberichtes zweiter Teil

Von Babette Sperling , 5. September 2026

Vor ein paar Wochen haben wir bereits unseren ersten Teil des Reiseberichts unserer Frankreichreise kund getan. Nun folgt noch die fehlende Reihe direkt zum FaireFestival.

Babette's Erfahrungen

Mittwoch, 27. Mai

Am Abend gegen 19:00 Uhr kamen wir nach einer beschaulichen Autofahrt bei ca. 35°C in La Cité in Toulouse an. La Cité ist ein moderner Innovations- und Start-up-Hub für Unternehmen, Forschung und Gründer, der in den historischen, aufwendig modernisierten Industriehallen von Latécoère untergebracht ist. Vor Ort begrüßte uns eine Volunteerin aus dem RoseLab und wir bekamen unseren Messestandplatz zugewiesen und wir erhielten direkt eine Führung durch das RoseLab, welches als offenes FabLab und kreativer Herzschlag von La Cité fungiert.

Auf über 800 Quadratmetern bietet dieses interdisziplinäre Maker-Labor modernste Maschinen, offene Werkstätten (Holz-, Metall-, Plastik-, Keramik-, und Textilwerkstätten) und Räume für Gemeinschaftsprojekte, die Menschen aus Handwerk, Kunst und Technik zusammenbringen.

Im Anschluss führten wir Abstimmungsgespräche mit den Koordinatoren William und Antoine, um den Ablauf unserer kommenden Workshops zu strukturieren. Zudem tauschte ich mich kurz mit den lokalen Textilexpertinnen aus. Konkrete Absprachen vertagten wir jedoch auf den nächsten Tag, da sie intensiv mit der Fertigstellung des Merchandisings für das Festival beschäftigt waren.

Donnerstag, 28. Mai

Der zweite Tag begann mit der feierlichen Eröffnung des Festivals im großen Saal. Neben der Standbetreuung auf der Messe bot sich die Gelegenheit für ein Wiedersehen mit Aurélien aus Annecy, der im vergangenen Jahr an einer Residenz in Chemnitz teilgenommen und im FabLab Chemnitz gearbeitet hatte. Dieser Austausch zeigte eindrücklich, wie nachhaltig und lebendig deutsch-französische Netzwerke wirken. Der Nachmittag war von intensiven Vorbereitungen geprägt. Ich bereitete Strickteile und meine Präsentation für den eigenen Workshop vor.

Zudem traf ich Amélie, die Managerin des RFF Lab, und Remy, ein Board-Mitglied von Vulca.

Mit Delphine Bawin (Leiterin der Textilwerkstatt) stimmte ich die Details für die Durchführung meines Workshops, das benötigte Equipment ab. Gemeinsam mit der Dolmetscherin und Sprachanimateurin Veronika fertigte ich schließlich französische Ankündigungsplakate an, um das Publikum gezielt anzusprechen und sprachliche Barrieren abzubauen.

Freitag, 29. Mai

Ab 10:00 Uhr nahm ich zunächst am Textil-Workshop „FABRIQUONS ENSEMBLE !“ teil, der sich inhaltlich mit Textilkennzeichnung, Textilkonfektion und Umwelt-Zertifizierungen beschäftigte. Mein eigener Workshop zur Wiedergewinnung von Strickgarnen aus gebrauchten Pullovern wurde im Anschluss erfolgreich in das Festivalprogramm integriert. Obwohl der Workshop räumlich etwas außerhalb des eigentlichen Textilateliers verlegt werden musste, lockte unser selbst gestaltetes Plakat viele Interessierte an.

Im Zeitraum zwischen 14:00 und 16:30 Uhr zeigte ich in Kleingruppen von drei bis vier Personen insgesamt 12 Teilnehmerinnen die Technik der Garn-Rückgewinnung aus getragenen Pullovern. Zuerst demonstrierte ich händisch das Trennen der Einzelteile, woraufhin wir das Garn gemeinsam aus dem Pullover herausgewannen und wieder mit Hilfe von mitgebrachten Wollwicklern zu Knäulen aufwickelten. Dies entpuppte sich zu einer außenwirksamen Gruppen und Teamarbeit, welche von Außenstehenden bemerkt wurde und zum mitmachen verleitete. Am Ende konnte jede Teilnehmerin ihr eigenes Knäuel recyceltes Garn mit nach Hause nehmen. Unter den Gästen war auch eine Designerin mit eigenem Tuftingstudio in Toulouse, die sehr positives Feedback gab und anbot, das gewonnene Garn am nächsten Tag direkt beim Tuften auszuprobieren.

Ab 17:00 Uhr klang der Tag bei den Soirées im Les Imbroues aus. Wir besichtigten die Räumlichkeiten von L’Atelier des Bricoleurs, einer offenen DIY-Mitmachwerkstatt für Holzbearbeitung und Heimwerken, die Heimwerkerinnen und Heimwerkern professionelle Maschinen, Werkzeuge und Kurse für eigene Projekte bietet. In einer wunderbaren, lockeren Atmosphäre auf dem schönen Außengelände genossen wir dort französische Musik, frische Galettes und stöberten über einen kleinen Designermarkt. Bei diesem Treffen tauschte ich mich zudem intensiv mit Delphine über das Projekt UZINOU aus. Diesen speziellen Textilspace besuchten wir im Letzten Jahr, als wir für unser Inklusivprojekt in der Bretagne unterwegs waren. Außerdem bemerkten wir einige andere gemeinsame Bekannte, mit denen wir schon Austausch hatten - die Welt der Textilerinnen ist doch auch nur ein Dorf.

Samstag, 30. Mai

Den Samstag nutzte ich für einen ausführlichen Rundgang über die Messe. Besonders eindrücklich blieb mir die Skulptur La Déferlante von Martin Guillaumie im Gedächtnis, die im RoseLab geschaffen wurde. Guillaumie thematisiert darin die drohende Überflutung durch nutzlose, KI-generierte 3D-Druck-Artefakte als künstlerische Mahnung vor digitaler Müllproduktion. Durch die Kombination zufällig angeordneter Plastikobjekte mit einem handgezeichneten Relief-Comic stellt sein Werk den unkontrollierten Technologiewahn der menschlichen Einsamkeit gegenüber.

Darüber hinaus begeisterten mich innovative und nachhaltige Konzepte wie das modulare Open-Source-Messeaufstellersystem Easy Mobil Expo sowie ein solarbetriebener Dörrapparat.

Ein persönliches Highlight erlebte ich am Stand von Mathilde Grandchamp, die sich auf handgetuftete Wandteppiche und Teppiche spezialisiert hat. Wir probierten mein am Vortag aufgetrenntes Bändchengarn mit einer Loop Pile Tuftingpistole aus, was hervorragend funktionierte und bewies, dass recyceltes Garn auch in professionellen Handwerkstechniken eine wertvolle Ressource darstellt.

Der Tag schloss mit einer gemeinsamen Abschlussmodenschau, einem Gruppenbild aller Beteiligten und einem gemütlichen Ausklang in einer Bar.

Sonntag, 31. Mai

Nach intensiven und erlebnisreichen Tagen traten wir am Morgen des 31. Mai wieder die Heimreise in Richtung Manzat an. Fazit aus meiner Perspektive: Unsere Vorbereitungen passten hervorragend in das Gesamtkonzept des Faire Festivals. Nachhaltigkeit und die Wiederverwendung von Ressourcen sind in der Maker-Szene eine Selbstverständlichkeit. Durch dieses Projekt konnte ich mein eigenes Wissen erweitern und wertvolles Praxiswissen weitergeben. Vor allem aber habe ich ein starkes gemeinsames Gespür dafür mitgenommen, dass Akteurinnen und Akteure über Ländergrenzen hinweg intensiv daran arbeiten, aktiv etwas für den Umwelt- und Klimaschutz zu bewegen.

Mario's Erfahrungen

Inkscape und Open Source Software

Schon seit fast 10 Jahren verwende ich die Software namens “Inkscape”. Das ist eine weit verbreitete und sehr bekannte Free Open Source Software. So habe ich in den letzten Jahren intensiv in alle Richtungen damit gearbeitet. Neben Postern, Stickern, Diagrammen und Skizzen sind verschiedene Zwecke stets in meinem Anwendungsfeld gewesen bzw. dazu gekommen, und zwar das Vorbereiten, Erstellen und Anpassen von Dateien für Laserschneid- und Vinylcuttersysteme (u.a. in unserem FabLab).

Dieses Wissen lasse ich seit vielen Jahren in die weltweite Inkscape-Community einfließen, genauso wie ich stets von dieser Community profitiere und immer und immer wieder dafür Werbung mache. Hierzu entwickle ich parallel von Zeit zu Zeit Erweiterungen für die Software, die spezielle Anwendungsgebiete erschließen und schreibe regelmäßig Dokumentationen. Mein gesammeltes Wissen gebe ich deshalb gerne an Wissbegierige Nutzer und Interessenten weiter. Unter anderem zu finden ist unser selbst gehostetse Erweiterungsprojekt namens MightyScape.

Während unserer Reise konnte ich das Thema Inkscape in Verbindung mit MightyScape mit verschiedenen Leuten durchsprechen und hilfreiches Feedback sammeln, u.a. intensiver mit Guillaume Bertrand vom Fablab des Fabriques in Besançon, der das Projekt bereits kannte und mir seinen Bedarf in Hinsicht Kompabilität mit dem sog. “Snap” App Store für Ubuntu Linux mitteilte. Angespornt von diesem Austausch nutzte ich die langen Autofahrten zwischendurch, um dieses Problem direkt zu lösen.

Auf dem FaireFestival

Für das FaireFestival war ein Workshop mit dem Titel “What you see is not what you get - or: - How to fix that SVG laser cutter files by using Inkscape” geplant, der die Themen Inkscape und MightyScape tiefer aufgreift. Die zugehörige Workshopankündigung für das FaireFestival Team lautete:

Most people who regulary create jobs with a laser cutter (or similar acting machines like pen plotters, vinyl plotters, milling machines), have difficult problems while working on complex files for making a trustworthy laser job for precise cuts and engravings. And a lot of people work with SVG vector input to create these. In this session i will act as “doctor of applied vectology”. Together we analyse typical problems in your existing laser job inputs and i will show you how to fix them using Inkscape (with some plugins from our MightyScape extension collection). We will talk about the SVG file structure and strange things like clones, masked objects, style attributes, references, groups, layers, embedded images, duplicated lines, tolerances and a lot more. Please bring your obviously broken file projects and we will have a look to make it work! You are welcome to join with your own computer to replay things i show to you.

Dieser Workshop fand nicht so ganz statt, wie geplant (nämlich an 2 Tagen jeweils 1,5 Stunden). Warum sind die Workshops von uns teilweise nicht gelaufen, wie geplant? Bedingt durch die Tatsache der fehlenden Bereitstellung des Workshops auf der offiziellen Programmwebseite im Vorfeld trotz Übermittlung an das Organisationsteam vom RoseLab, einer fehlerhaften Anmeldeverwaltung auf deren Homepage und vor Ort vorhandenen Aufbauschwierigkeiten (fehlender Platz, Tisch, Strom, Monitore, Flyertafel) fiel das Programm für mich in der geplanten Art ins Wasser bzw. bedurfte einiger Improvisation. Glücklicherweise fand parallel ein Hackathon mit Titel "LIBÉRONS LES LASERS OU CODE • CUT • SHARE" stand, der sich ebenfalls mit Inkscape beschäftigt und thematisch wie Topf zu Deckel passte. Dieser drehte sich um die freie Software LaserMagic. Der Workshopinhalt davon übersetzt:

Hackathon – Lasers befreien ODER Code • Cut • Share

Haben Sie schon immer von einem leistungsstarken und skalierbaren Open-Source-Tool zur Steuerung Ihres Laserschneiders geträumt? Möchten Sie zu einem nützlichen, konkreten und gemeinschaftlichen Projekt beitragen? Nehmen Sie an einem zweitägigen Hackathon rund um LaserMagic teil: Code, Maschinen, Tests, Dokumentation und Tutorials, die wir gemeinsam erstellen.

Entwicklerinnen, Maker, Herstellerinnen, Dokumentarinnen und Nutzerinnen kommen zusammen, um zu experimentieren, das Tool zu verbessern und ein gemeinsames, freies Projekt im Dienste der dezentralen und geteilten Fertigung voranzubringen.

Erstes Ziel: klare und umsetzbare Ressourcen zu erstellen, damit jeder die Software installieren, nutzen und verbessern kann. Zweite Herausforderung: das Tool zu testen und mit möglichst vielen verschiedenen Laserschneidmaschinen zu verbinden, wobei reale Anwendungsfälle, Konfigurationen und Nutzerbedürfnisse berücksichtigt werden.

Hier habe ich mich dann am Donnerstag und Freitag jeweils zeitspendabel einklinken können und fand eine Hand voll Mitstreiter und Austauschpartner auf ähnlicher Wellenlänge. Dabei waren u.a. der Hauptentwickler von LaserMagic Benoit Forgette, sowie Leute von Framasoft und movilab.org. Movilab ist eine öffentlich geteilte und allgemein zugängliche Dokumentationsplattform für "Third Places", zu deutsch "Dritte Orte" mit zigtausenden Informationsseiten.

Meine Zeit investierte ich dabei, das Projekt "LaserMagic" zu verstehen und auszuprobieren. Dabei merkte ich schnell, dass ich mein Langzeitwissen direkt in die Community - bestehend aus Softwareentwicklern, Dokumentationsschreibern und Maschinenbedienern - einbringen kann. So habe ich in den zwei Tagen reichlich Feedback verbalisiert und ins zugehörige Hackathon-Protokoll eingebracht, sowie konkrekte Merge Requests in das Softwareprojekt und dessen Dokumentation eingearbeitet. Unter anderem habe ich so die Projektdokumentation komplett ins Deutsche übersetzt und diese Inkscape-Erweiterung optisch aufgewertet und stabilisiert.

Als Dankeschön für die Teilname hat mir Benoit ein “Sprint créatif” Abzeichen geschenkt. Das wurde mit Inkscape gezeichnet, mit LaserMagic aufbereitet und auf dem Laser vor Ort angefertigt. Die Qualität ist sehr gut und ich sage hier ebenso nochmal Danke dafür!

Mein Fazit zum FaireFestival fällt trotz aller Startschwierigkeiten sehr positiv aus: wir haben deutsch-französische Freundschaft in thematisch konkreter Arbeit gemeinsam manifestiert, Wissen und Ideen ausgetauscht und konnten so vom jeweils anderen lernen. Dabei haben wir über die Projekte, Probleme und Lösungen der anderen erfahren, neue Wege aufgezeigt und ein kleines Stück Zukunft verspürt und versprüht. Ich habe mich hier gut aufgehoben gefühlt.

Martin's und Kati's Erfahrungen

Workshop - Painted Light


Frankreich – ein Land, das für seine vielfältige Malereitradition und insbesondere für subversive Neuerungen in diesem Metier bekannt ist. Man denke beispielsweise an die Entstehung des Impressionismus, der vollkommen neue Naturentwürfe und Erfahrungen des Sehens hervorgebracht hat. An diese vermeintliche französische Lust am malerisch Neuen wollten Kati Hollstein (Kommunikationsdesignerin) und ich, Martin Lucas Schulze (Künstler), anknüpfen.

Dieser Annahme folgend wollten wir ein Angebot schaffen, das sich zwar in die meist technisch orientierten Angebote des Faire Festivals integriert, sich jedoch zugleich erfrischend anders und weniger technologisch präsentiert, als es die Besucherinnen und Besucher vielleicht erwartet hätten. Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Integration des Umweltschutzes. Gerade in einem Land wie Frankreich, das zunehmend mit Hitze und Wasserknappheit zu kämpfen hat, erschien es uns sinnvoll, auch eine Upcycling-Komponente in unser Konzept aufzunehmen.

Während meines Kunststudiums bin ich einmal auf eine Malereitechnik gestoßen, von der ich im Hinblick auf dieses Projekt dachte, dass sie Menschen, die sich nicht ständig mit den Möglichkeiten der Malerei beschäftigen, überraschen könnte. Bei dieser Technik verarbeitet man mit breiten, groben Pinseln Ölfarbe, die mit sogenannter Malbutter vermischt wird. Diese erhöht den Glanz der dicken Farbe und verbessert zugleich deren Verstreichbarkeit. Das Ergebnis erinnert an die Rillen einer Schallplatte, die je nach Lichteinfall und Betrachtungswinkel unterschiedlich glänzen – abhängig davon, in welche Richtung der Pinselstrich gesetzt wurde. Mit dieser Malereitechnik kann man im Prinzip Licht malen und auf sehr einfache Weise interessante optische Effekte erzeugen. Ich sollte mit meiner Vermutung recht behalten: Die Besucherinnen und Besucher waren zum einen begeistert von den malerischen Möglichkeiten und kannten zum anderen diese Technik noch nicht.

Beim Faire Festival kombinierten wir die Malereitechnik mit der Verwendung gebrauchter Holzplatten, die wir vor Ort im Roselab fanden. Kati und ich grundierten diese zunächst und verwendeten sie anschließend gemeinsam mit den Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmern als Bildträger. Auf diese Weise konnten wir unserem Anspruch an das Upcycling gerecht werden.

Ausgestattet mit unserem Konzept und den dafür vorgesehenen Materialien organisierten wir in Absprache mit den Veranstaltern des Faire Festivals unseren Workshop. Dies gestaltete sich zunächst schwierig, da aufgrund technischer Probleme keiner unserer Workshops für die Besucherinnen und Besucher auf der Webseite sichtbar war. Wir hatten daher Bedenken, ob überhaupt jemand von unserem Angebot erfahren würde, da es in der Fülle der verschiedenen Veranstaltungen leicht untergehen konnte. Weitere Schwierigkeiten ergaben sich durch den Umstand, dass das Faire Festival in einem Regierungsgebäude stattfand. Für die Veranstalter war es entsprechend schwierig, sich mit dem Gebäudemanagement darüber abzustimmen, wo, wie und was an einem solch sicherheitssensiblen Ort stattfinden durfte. Nach einigem Hin und Her konnten wir jedoch alle notwendigen Dinge organisieren, sodass der Workshop am darauffolgenden Tag stattfinden konnte.

Kati und ich bekamen die Keramikwerkstatt des Roselabs zur Verfügung gestellt. Dieser Raum verfügte über eine Belüftung, die für unsere Zwecke unverzichtbar war, da die Geruchsbelästigung bei unserem Vorhaben erheblich sein würde. Wir bereiteten den Raum vor, indem wir den Fußboden und einige Bereiche der Wände mit gebrauchten Materialien abdeckten, um Verschmutzungen durch die Farbe zu vermeiden. Anschließend legten wir die Materialien und Werkzeuge bereit. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits damit gerechnet, dass niemand kommen und der Workshop möglicherweise nicht stattfinden würde. An dieser Stelle ist jedoch unser wunderbares Team zu erwähnen. Während wir den Raum vorbereiteten, war es im restlichen Areal aktiv damit beschäftigt, für unseren Workshop zu werben. Dafür wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt: Es gab Durchsagen über das Mikrofon, Menschen wurden persönlich angesprochen und sogar ein Plakat wurde kurzerhand von Hand entworfen. Mithilfe eines besonderen Tintendruckers, den uns ein anderer Aussteller des Faire Festivals freundlicherweise zur Verfügung stellte, wurde der Entwurf anschließend vervielfältigt.

Und so kam es, dass unsere Workshopplätze schließlich vollständig belegt waren und wir später sogar noch weiteren Interessenten absagen mussten.

Der Workshop selbst fand anschließend in einer entspannten Atmosphäre statt. Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern waren Kinder mit ihren Eltern sowie einige Jugendliche und junge Erwachsene. Viele der Teilnehmenden konnten sich unmittelbar auf die malerische Technik einlassen, und ich war erstaunt darüber, wie intensiv sich einige von ihnen damit beschäftigten.

Ebenso überraschend empfand ich die geringen Berührungsängste, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mitbrachten, obwohl durchaus die reale Gefahr bestand, sich trotz der ausgeteilten Schürzen die Kleidung unwiderruflich mit Farbe zu verschmutzen. Dabei muss man bedenken, dass die Teilnehmenden nur wenig Zeit gehabt hatten, sich auf diese besondere Form des Malens einzustellen.

Auch in Sachen Kommunikation gab es keine größeren Schwierigkeiten. Insbesondere bei der technischen Einweisung konnten wir uns auf unsere Dolmetscherin Veronika verlassen. Darüber hinaus verfügten sowohl wir als auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Regel über ausreichende Englischkenntnisse, um uns miteinander verständigen zu können.

Die entstandenen Bilder konnten die Teilnehmenden anschließend an einem geschützten Ort zum Trocknen abstellen. Die Trocknungszeit betrug mindestens drei Tage. Es wäre interessant zu wissen, ob einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Bilder später noch abgeholt haben. Dies entzieht sich jedoch unserer Kenntnis.

Im Großen und Ganzen war der Workshop eine sehr schöne Erfahrung für alle Beteiligten. Kati und ich konnten dabei wertvolle Erfahrungen darüber sammeln, wie man einen Workshop im Ausland organisiert und durchführt. Besonders schön war es zu erleben, dass unser zunächst etwas ungewöhnlich erscheinendes Konzept auf so viel Interesse und Begeisterung stieß.

Toni's Erfahrungen

Zu alt? Zu langsam? Kaputt? Bringe deine defekte oder veraltete Technik zur Reparatur

Zwischen DIY-Atmosphäre und Essen gab es auch spannende Reparaturfälle für mich zu tun. Hier kommt mein kleiner Rückblick.

Bevor es überhaupt losging, hieß es erst mal USB-Sticks vorbereiten und Mini-PCs vorinstallieren. Gemeinsam mit Veronika, die sich um die Übersetzung und Sprachvermittlung gekümmert hat, habe ich mit Anja bzw. Anja mit mir ein Workshop-Ankündigungsplakat auf Französisch entworfen.

Am zweiten Festivaltag ging es von 11 bis 16 Uhr mit einer offenen Technik- und Repariersprechstunde im Cybercafé. Zunächst war der Standaufbau etwas fummelig, weil Tische und Strom erst fehlten. Die Peripherie wie Monitore, Mäuse und Tastaturen hatte ich schon vororganisiert, drei Laptops und zwei Mini-PCs mit verschiedenen Betriebssystemen an den Start gebracht sowie die komplette Netzwerktechnik mit Access Points, Adaptern und Kabeln hatte ich aufgebaut, um letztlich Demos und Diagnosemöglichkeiten zu haben.

Das erste Sorgenkind war das Endgerät einer Teilnehmerin, das sich gar nicht mehr einschalten ließ. Sie hatte selbst schon rumgeschraubt, also stellte ich mich auf einiges ein. Nach dem Aufschrauben sah man Spuren vorheriger Versuche. Ich habe Multimeter und Lötkolben rausgeholt, Teile gereinigt, Kontakte im Schalter gerichtet, kalte Lötstellen nachgelötet und lose Kabel fixiert. Leider war eine Stelle in der Stromführung komplett hinüber, sodass das Gerät nicht mehr zu retten war. Wir haben es stattdessen dem lokalen Repair-Café als Ersatzteilspender vermacht. Das Beste daran war, dass die junge Frau die ganze Zeit mitgemacht hat und jetzt genau weiß, worauf sie beim nächsten Mal achten muss.

Der nächste Fall war ein Windows-Laptop, der gefühlt eine Ewigkeit zum Starten brauchte, extrem heiß wurde und von der Besitzerin oft einfach nur zugeklappt und eingepackt wurde – ein klassischer Fall von digitalem Stau. Zuerst habe ich den Autostart und laufende Prozesse ausgemistet. Danach habe ich Animationen und Transparenzen abgeschaltet, die Energieoptionen optimiert, damit er beim Zuklappen richtig in den Ruhezustand geht und nicht überhitzt, und direkt Standard-Software wie Office, Browser und PDF-Reader frisch installiert sowie aktualisiert. Jetzt schnurrt er wieder wie ein Kätzchen und die Besitzerin ist glücklich, dass sie weiß, wie sie selbst im Autostart aufräumen kann.

Der dritte Teilnehmer hatte einen mindestens 15 Jahre alten Rechner aus einem Verein dabei, dem er neues Leben einhauchen wollte, brauchte aber Starthilfe bei Software und Komponenten. Nach einer gründlichen Entstaubung habe ich ein Debian-Bullseye als Raspberry Pi Desktop installiert. Das läuft auf solchen alten Kisten sehr flüssig, auch wenn man wegen des Alters von 2022 natürlich kein Produktivsystem mehr draus machen sollte. Dazu haben wir noch über alternative Betriebssysteme geredet, die alte Geräte zum Beispiel als Software-Router nutzen können. Leider hat die alte, eingestaubte Grafikkarte am Ende doch den Geist aufgegeben, aber der Teilnehmer hat Ersatzteile an der Hand, weiß jetzt, wie wichtig regelmäßige Wartung ist, und kann das System bald selbst wieder vollständig reparieren.

Der Nachmittag verstrich mit verschiedenen und abwechslungsreichen Zwischengesprächen und Begegnungen.

Ich merkte in Reflexion danach für mich, dass ich viel dynamischer auf Events reagieren und genau das Werkzeug einpacken kann, das gebraucht wird. Egal welche Sprache gesprochen wird: Technische Probleme sind überall gleich und lassen sich lösen. Alles, was man dafür braucht, sind Offenheit, Geduld und der Wille, das Gegenüber zu verstehen.

Unterstüzung / Förderung

Das Projekt wird im Zeitraum von April bis September 2026 vom Deutsch-Französischen Bürgerfonds (Fonds Citoyen Franco-Allemand) unterstützt. Diese Maßnahme wird außerdem mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

Unsere Unterstützer und Wegbegleiter sind neben dem französischen Partnernetzwerk RFF Labs, der deutsche Dachverband Verbund Offener Werkstätten e.V. und die europäische Vulca Organisation für internationale Beziehungen zwischen offenen Werkstätten (aka Makerspaces), wo wir selbst auch Mitglied sind.

Wir danken für die finanzielle Unterstützung und den großartigen Netzwerkaustausch, der bereits einige Monate vor der Reise durch das Engagement vieler Leute, insbesondere durch RFF Labs und VULCA, möglich gewesen sind.

Zu guter Letzt ein Clip über den Fonds Citoyen Franco-Allemand:

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